Juna Gretz

Killing My Minimal Dream”

Juna Gretz, Prüfer: Hagen Steffel

Das Phänomen des Träumens beschäftigt die Menschheitsgeschichte seit jeher. Dieser grundlegenden anthropologischen Konstante haben sich bereits Philosophen wie Platon und sein Schüler Aristoteles angenommen, die beide jedoch verschiedener Meinung waren: Wo Platon noch davon ausging, dass Träume von Göttern geschickt werden, hebt Aristoteles in seinen Schriften hervor, dass der Traum eine notwendige Form der Regeneration des Menschen erfülle, womit er den ersten Erklärungsansatz für das Träumen lieferte: Sowohl der emotionale Ausgleichseffekt des Träumens, als auch die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten (Reinert, 2016). Das Träumen ist bei den meisten Menschen eine unwillkürliche und (meistens) unbeeinflussbare Bewusstseinstätigkeit. Träume sind durch keinen Rahmen begrenzt und widersprechen oft der Logik des menschlichen Verstandes. Dies gilt auch für den Albtraum, welcher in der Regel durch emotionalen Stress ausgelöst wird und im Schlaf häufig die Ängste des Träumenden thematisiert.

In diesem Werk wird die Rekonstruktion eines Albtraumes mit Hilfe von digitalen Mitteln untersucht. Dafür wird sich thematisch einem wiederkehrenden Albtraum gewidmet. Für die Transformation dessen wurde das künstlerisch-ästhetische Mittel der Animation gewählt, um so eine nachträgliche Wiedergabe der Traumwelt so genau wie möglich entstehen zu lassen. Durch die Übersetzung des Traumes in ein animiertes Video bildet sich eine Differenz im Erleben. Ebenso entsteht durch die zeitversetzte Reaktualisierung der Angst eine Differenz in der Wahrnehmung, womit das Werk nicht nur als Erinnerungsarbeit dient, sondern auch als gesteuertes Reenactment fungiert. Durch die Ausstellung wird das eigene Wiedererleben des Traumes zu einem partizipativen Akt. Sowohl die ständige Abrufbarkeit des Videos, als auch die Wiederholung der Video-Sequenz stellen das Element der Wiederkehr dar. Die minimalistische Aufmachung des Films zu Beginn einerseits durch die animierten Betonwände, als auch durch die geometrische Form, setzt den Fokus auf die Bildmitte des Films, in der sich die Kugel befindet. Ebenso zwingt es die Rezipierenden, sich mit der reduzierten Formsprache auseinanderzusetzen. Durch die rote Flüssigkeit wird diese minimalistische Aufmachung, welche durch Logik und Eindeutigkeit funktioniert, durchbrochen. Es entsteht eine verschobene Wahrnehmung der ‚Wirklichkeit‘, womit sich auch Stanley Kubrick in vielen seiner Werke beschäftigt hat. Den Regisseur interessierte dabei besonders die Abgründe und die dunklen Triebe seiner Protagonisten, die oft in realitätsfremden Szenarien dargestellt wurden. Dabei nutzte er unterschiedliche filmische Mittel, wie Perspektivwechsel und Anschlussfehler, um eine traumähnliche Wirkung für die Rezipierenden zu realisieren (Ciment, 1982). Als Beispiel und auch als Inspirationsquelle lässt sich die Fahrstuhlszene aus Kubricks Film „The Shining“ (1980) nennen, die neben der mehrdeutigen Symbolik auch den albtraumhaften Charakter in sich trägt, mit dem die Zuschauer konfrontiert werden. Diese Erfahrung wird in dem hier vorliegenden Werk allerdings nicht nur durch die insert shots unterstützt, sondern auch zusätzlich mit dem immer lauter werdenden Ton untermalt.

Literaturverzeichnis:

Ciment, M. (1982): Kubrick. München: Bahia Verlag.

Reinert, B. (2016): Traum und Kunst – Traum als Kunst. Zu einer ästhetischen ‚Beziehungsgeschichte‘ in Literatur, Film und bildender Kunst. URL: https://literaturkritik.de/id/21188. Letzte Aktualisierung: 20.06.2020.